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Nebelschwaden in den Wipfeln einsamer Tannen. Der wolkenverhangene Himmel ist durch die Trübnis dieser unheilvoll wabernden Dunstfetzen kaum zu erkennen. Dämmerung sinkt langsam hernieder, geistergleich ist die schmale Silhouette des Mondes zu erkennen, der gerade langsam aufzusteigen beginnt.

Trügerisch friedlich ist dieser Weg durch den finsteren Forst. Kalt. Schnee und Eis, wohin das Auge blickt. Inmitten dieser trostlosen Hölle klirrenden Frostes gleitet eine dunkle, schwer bewaffnete Gestalt durch eine schmale Gasse zwischen den Bäumen hindurch. Der Blick ernst, fokussiert, in sich gekehrt. Die Waffe geladen. Der Weg nicht mehr weit. Das Ziel und die hilflose Beute vor Augen.

Und während die Schatten länger werden und die Finsternis der hereinbrechenden Nacht wie ein dunkles Leichentuch herniedersinkt, erreicht die dunkle Gestalt ihr Ziel. Sie sinkt hernieder, legt sich in den frostigen Schnee, nimmt die Waffe, legt an und fixiert ihr Ziel. Die Pupille der Gestalt wird groß, auch noch das letzte Licht des sterbenden Tages einzufangen und zu nutzen, um die schutzlose Beute zu erlegen. Den Finger am Abzug leicht bewegend, den Druckpunkt des Abzugs suchend, den Atem anhaltend und das Adrenalin der Jagd herunterfahrend, setzt die Gestalt zum finalen Schuß an...

Fünf Schüsse krachen durch die Stille. Fünf mal Volltreffer. Der Jagdinstinkt hat dem dunklen Jäger wieder seine Beute gebracht. Und dann bricht die Hölle los...

Die dunkle Gestalt rappelt sich auf, schnallt sich die leergeschossene Waffe um und macht sich auf den Weg. Sie nimmt den Lärm, der um sie tost nicht wahr. Zu konzentriert ist ihr Blick, zu abgeschottet ist ihr Streben und Handeln. Noch wenige Sekunden, noch wenige Meter trennen sie vom Triumph, vom Augenblick des endlich erreichbaren inneren Friedens, des Niedersinkens nach all der Pein und den selbst erlittenen körperlichen Strapazen und Entbehrungen auf diesem langen Weg hin zum Ziel. Und als es bereits greifbar scheint, nur noch einen Wimpernschlag entfernt, diesen köstlichen, sättigenden Augenblick der Glückseligkeit zu erleben und das Freudenfeuer des inneren Friedens entzünden zu können, im Sog des Rausches zu ertrinken...

...da kommt so ein Dödel von links doch tatsächlich auf der anderen Loipe noch vorbeigeschippert und gewinnt dieses Scheiß-Biathlonrennen vor unserer abgewrackten und völlig ausgepumpten Gestalt! Vorbei die Freude über den gerade fehlerfrei erschossenen Ringfünfer im letzten Liegendschießen, vorbei der Anfeuerungsjubelorkan, der losgebrochen war nach dem letzten Schuß, vorbei die Hoffnung, endlich mal den eigenen inneren Schweinehund und den Gegner zu überwinden. Aber so ist das nunmal im Sport: der eine gewinnt, der andere bleibt auf der Strecke.

Sport ist Mord. Wieder mußten 5 unschuldige wehrlose Plastikscheibchen dran glauben. Wieder mal Biathlon. Wieder mal Wintersport. Und wieder mal zu, vor, um, nach und in der Nähe von Weihnachten und Neujahr. Skispringen. Vierschanzentournee. Neujahrsspringen. Der Kopp is vum Silveschterkater noch zugedröhnt, das Sofa ist wohltuend, der Eisbeutel auf der Stirn kühlend und die Reste der Silvesterbowle stoßen noch säuerlich auf vom Vorabend und der durchzechten Silvesterpunschnacht... als man irgendwann gegen halb 4 morgends zwischen den Titten von irgendeiner Partyschlampe niedergesunken ist, ihr die Freude übers neue Jahr in den Ausschnitt gekotzt hat und vom Gastgeber rausgeworfen und in ein Taxi verfrachtet wurde. Nun liegt man daheim und trauert noch völlig benebelt und mit nem Schädel breiter als ein Panzer den Partymausmöpsen hinterher, hat zur Sorglosberieselung die Glotzkiste eingerastet und verfolgt das ewig gleiche, einlullende und unaufgeregte Gehopse des Neujahrsskispringens. Finnen, Deutsche, Österreicher... einer nach dem Andern, immer runter, immer schön mit Telemark. Haltungsnoten zwischen 17 und 18, die erste und letzte Note der bestechungsarmen Wertungsrichter wird gestrichen, der Rest zu den Punkten der erzielten Weite addiert, alles ganz easy, alles ganz entspannt, alles ganz schlääääää... gähn... hä-frig machend..............

Plötzlich wirds hektisch! Der Reporter überschlägt sich! Ein Finne ist gehopst, hat ne Windböe mitbekommen und die Flugbahn vergeigt! Nun hat er panisch mit den Armen gewedelt und erfolglos versucht, nen Kolibri beim Balzflug nachzuahmen, bis er dann bei der telemarkbefreiten Landung quer aufkam, es ihm die Skier und das Gleichgewicht wegriß und schließlich in der Auslaufzone am Fangzaun final zerschellte. Nun weiß wenigstens dieser Finne mal, wie sich Sommers über Mücken auf der Autobahn fühlen müssen, wenn sie unschuldig über die Fahrbahn in der Sommerbrise flattern und ganz nebenbei an der Windschutzscheibe zerspratzen...

(Der Autofahrer macht genervt den Wischer an und sprüht Wischwasser auf die Scheibe, um die verschmierten Gedärme des Flugdrächelchens von der Platte zu putzen... Schliere hier, Schliere da... Scheißblätter müssten mal wieder gewechselt werden... aber ich schweife mal wieder ab!)

Jedenfalls hauts unseren Couchbewohner aufgrund der angeschwollenen Reporterstimmenlautstärke völlig erschrocken und aus dem Dämmerschlaf gerissen vom Sofa, rechterseits beim Fallen mit dem Arm auf der scharfen Kante des Couchtisches aufschlagend und sich dadurch ein schweres Hämatom zuziehend und den Eisbeutel fluchend in die Ecke feuernd... diesen gefühlsmäßigen Ausbruch aufbrandender Ärgernis aber gleich wieder bereuend, weil einen der hauseigene pochende Schädel gleich wieder in die jämmerliche Wirklichkeit zurückholt.

"Scheiß auf das neue Jahr! Scheiß auf Silvester! Scheiß auf die guten Vorsätze! Nie wieder! Besinnliche Zeit?! Sinnlich waren nur diese Glocken von der Partymaus! Und ich?! Ich war nicht BEsinnlich, ich war nur BEsoffen! Und das war auch gut so! Leckt mich doch alle am Arsch! Und Sport im Fernsehen?! Guck ich nie wieder! Und dieser dämliche Biathlet soll demnächst den Sportreporter und keine Plastikscheibchen erschießen! Mich derart anzubrüllen mit meinem Schädel... so ein Arschloch!!! Der hat den Tod verdient!!! Aua mein Kopf!"

Fazit: Weihnachten muß man nehmen wie es kommt. Und feiern wenn es wieder geht. Und wer zwischen den Jahren die Flimmerkiste einschaltet, weil er sich dadurch Entspannung oder Ablenkung erhofft, ist selbst schuld. Und eines ist sowieso sicher: 2014 wird genauso beschissen wie 2013! Macht das Beste draus!

Alles Gute, eure Flachzange!!!

_________________
In loving Memory of Flachzange 1966 - 2016


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Kommentare

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Flachzange schrieb: Ich war nicht BEsinnlich, ich war nur BEsoffen!

Ochja, an Weihnachten ein heben ist nicht so verkehrt, mach ich auch ganz gerne.

Ein feiner Schluck zur Weihnachtszeit, erhebt des Knaben Männlichkeit.  besoffen 
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Calypso schrieb:Ein feiner Schluck zur Weihnachtszeit, erhebt des Knaben Männlichkeit.  besoffen 

Ich hoffe, du hast auch den Blog GEnossen! PROSTata!  prost 
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Die Blogs hier sind ne feine Sache, der Wintersportmarathon an Neujahr geht mir auch auf den Keks.   
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