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Ja. Heimat. Da, wo man herkommt. Da, wo man entstanden ist. Nicht einfach nur in irgendeiner verrottenden Besenkammer einmal so im Vorbeispritzen, pränatal geprägt durch einen rothaarigen, drittklassigen Tennisspieler in bierselig-zugekokstem Zustand geistiger Umnachtung mit angeflanschtem Fleischpeitschenhochstand und einer Bediensteten mit gehemmter Analperistaltik und demzufolge ausflußreicher Einflugschneise für begattungsbereite Vögelflugtouristen. Nein, Heimat bezeichnet die Stelle der eigenen inneren Verbundenheit mit eben jenem Ort, als der eigene Vater beim Anblick der eigenen Mutter, die sich selbst hingebungsvoll auf dem cremefarbenen Kanapee erwartungsvoll drapiert hat (cremefarben deshalb, damit die Wichsflecken später nicht so sehr ins geneigte Auge des Betrachters fallen), auf daß der Lebensabschnittsbegatter seinen Liegeplatz einnehme auf dem alten Jefferson Airplane... jenes Glitzern im Auge des Vaters bei der Wonne des Startes, jene jaulenden Triebwerke der Mutter, die atmungstechnisch mit der Lautstärke eines Preßlufthammers mühelos mithalten konnten... kurz, das Ineinanderfließen zweier Pole zu einem Magneten, der Zusammenstoß von Eisberg und Titanic, der Tsunami der Sinnlichkeit - alles unter sich begrabend im Rausche eines wogenden koitalen Rohrkrepierers meines Erzeugers, den Vater zu nennen sich mir mein Verstand zeitlebens verbat und dessen Ableben mich weit mehr peripher tangierte als es eine leere Tube Uhu in einem Schmelzofen zu tun vermochte.

Ja nun... ersoffen in den Wogen der sinnlosen Erotik und entstanden beim ungelenken Balzversuch zweier Bumslegastheniker im Synchronficken konnte ich es mir nicht aussuchen, wohin ich bei meiner Geburt geworfen wurde. So hatte meine Mutter wohl nach neunmonatiger Wartezeit die Nase voll, nahm einen Atlas zu Hilfe und sah sich um... Mannheim war zu dieser Zeit noch ein weißer, unbesiedelter und somit unschuldiger Fleck im Süden vom Arsch der Welt. Dies gefiel meiner Mutter so gut, daß sie beschloß unter sich zu machen... und so wurde ich in diese Welt geworfen.

Nun wissen wir alle, daß diese Welt ja nicht von ungefähr kommt. Nehmen wir den Anfang allen Übels. Kurz nach dem Urknall - Galaxien, Sonnen und rohe Protoplaneten waren bereits grobflüssig entstanden, flogen aber wild und lustig ineinander und probten schonmal den ersten interstellaren Oralsex, indem der eine den anderen ungefragt anzog und aufsog - da dachte unsere frisch gemolkene Milchstraße wohl so halblaut zu sich herüber: "Jetzt biste schonmal da, nun mach auch was draus!". Folglich entstand unser Sonnensystem, was nicht weiter tragisch gewesen wäre, hätte sich nicht die Erde im Grobzustand in der sogenannten habitablen Zone im Umlauf um die Sonne befunden. Und zu allem Unglück gabs auch noch Wasser. Dies mußte auch gleich seinen Kopf durchsetzen, verdampfen, Wolken bilden, regnen und die Lavabrocken abkühlen, die da so noch gemächlich in der Ursuppe vor sich hin oxidierten. Wie wir also feststellen können, muß es damals schon England gegeben haben... denn hohle Gebiete gefüllt mit Wasserdampf, die zum Fünf-Uhr-Tee anfangen zu pfeifen, sind ja heute auch noch zuhauf bei diesem seltsamen Inselvolk anzutreffen. Dies jedoch nur nebenbei bemerkt.

Wie auch immer... jedenfalls schwamm Pangäa, der Urkontinent, als Lithosphäre auf dem lavagleichen Unfug auf, der sich allenthalben über diesen Planeten ergoß. Dann wurde es ihm zu blöd, und sagte zu sich selbst: "Wird Zeit, daß ich mich trenne!". Also zerbrach nicht nur die erste feste Beziehung der Urzeit, sondern auch der Zusammenhalt der heutigen Kontinente untereinander. Und an diesem einen, vom sauren Regen abgekühlten Stück Felsen, der so kahl, nichtssagend und humorlos war, daß Kojak dagegen wie ein langhaariger, dauerschwafelnd Witze erzählender Bombenleger dahergekommen wäre... entstand Mannheim. Und genau an jenen Ort des unfaßbaren Exils, jenen Ort, an dem nichtmal Buddha seine Erleuchtung gefunden hätte (außer er hätte sich selbst in die feurige Lava gestürzt), jenen Ort an dem nicht mal rothaarige Kinder von drittklassigen rothaarigen Tennisspielern tot überm Zaun hängen wollen... genau an jenen Ort wurde ich durch mein eigenes Schicksal (und durch die unkontrollierbare Geburtenauswurfmechanik meiner Mutter) hingeschmissen und liegengelassen. Nun habe ich als Kind aufgepasst. Immer, wenn ich durch meine andere verkrüppelte Verwandschaft gesagt bekam, ich hätte so zwei schöne leuchtende Augen, habe ich meine Mütze über meine Birne gezogen. Es hätte ja auch die Sonne sein können, die durch meinen hohlen Schädel schien. Derart gegen Verdunstung und Dehydration meiner Denkmurmel geschützt konnte ich meinen betriebsbereiten Wasserkopf bis heute behalten (wenn es übrigens ab und an nachmittäglich gegen 17 Uhr pfeift, wissen Sie, daß ich in Ihrer Nähe bin... laden Sie mich zum Tee ein... ich bin leidlich der englischen Sprache mächtig und bringe das aromatische Heißgetränk selbst mit... Warmhaltefunktion inklusive).

Aber ich schweife ab.

Jedenfalls beschloß ich nun - gestraft durch Leben, Heimat, Dialekt und Wohnort - in mich zu gehen, um längere Zeit dort zu verweilen und mich selbst zu finden. Wäre ich vorher zurückgekommen, hätte ich mich vermutlich selbst festgehalten, damit ich nicht gleich wieder abhaue. Was ich fand, war nicht schön...

Ein kleiner, nickliger Spießer, nörgeld über alles und jeden, unzufrieden mit sich selbst und der Welt, der pizzaschachtelumtost und bierfahnenumweht allabendlich vor dem hauseigenen Rechenknecht dahinsiecht, sich furzend den Blähbauch glattpoliert und das seit drei Wochen nicht gewechselte Unterhemd mit dem nächsten grünen Popel - herausgepfriemelt aus der eigenen Erlenmeierkolbenrotzbremse - in Myriaden feinster Farbschattiereungen von Grün verziert. In wievielen Farben ein solches Körpersekret doch schillern kann...

Übergibt sich allabendlich ungefragt mit seinen unerwünschten Kommentaren und Filmen auf Internetplattformen und Foren, entledigt sich seines Sprechdurchfalls, seiner rhetorischen Flitzkacke, seiner Logorrhoe. Baut Videos, die kein Mensch versteht... weil der darin verwendete Dialekt aus den holländischen Bergen stammt, von den Menschen, die ob der dünnen Höhenluft dort kurz vor meiner legendär-berüchtigten Ankunft von dort nomadengleich ins flache Mannemer Land gezogen sind und kurz nach meiner Ankunft selbiges aus Protest in Richtung Ostdeutschland wieder verließen. Geblieben ist der Dialekt. Und ich.

Manche mögen mich. Viele hassen mich. Und das ist auch gut so. Brennen sollt ihr, brennen werdet ihr! Und tausend Kamelflöhe mögen euer Arschloch heimsuchen! Selbstgezüchtet!

Apropos Dialekt: Wisst ihr eigentlich wie ein Sachse in Amerika nen Weihnachtsbaum bestellt? - Na?! "Ä Tännchen please!!!"...

Ein Kracher.

Das wollt ich eigentlich nur mal erzählen. Und nächstes Mal erklär ich euch, warum ein Straßenstrich kein Zebrastreifen ist. Und warum ein Brennstab kein erstrebenswerter Imperativ ist. Aber das nur nebenbei.

Schönen ersten Advent.

_________________
In loving Memory of Flachzange 1966 - 2016


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Kommentare

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Ist das geil wenn man sich selbst so krass auf die Schippe nehmen kann.  
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Nicht nur auf die Schippe... ich nehm mich nach Möglichkeit sogar selbst auf die leichte Schulter... in Mannem ist die "19", also die "Lupinestrooss" ä ganz haißes Pflaschda. Unn wers perseenlich kännt, wees vun was ich rädd. Gibd dort zwar nur laichde Meedschä, awwer iss des net laichd genuuch?!

Sollte mir das peinlich sein?! Ja! Isses mir trotzdem wurscht? Auch JA!

Havelock... geiler Comment... wenigstens einer hats verstanden.
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da isch gebürtisch us der Palz kumme, habisch keen Problem mid Mundart schwätze. Laughing 
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calimero schrieb:da isch gebürtisch us der Palz kumme, habisch keen Problem mid Mundart schwätze. Laughing 
DU net, ANDERE scho. Awwer des is jo sowas von normal, wenn ma schunn hoorkepped zur Weld kummd, kann ääm schunn ned da Hut hoch geä, odda?!
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Kann es übrigens sein, daß das Lesen eines Blogs inzwischen ein wenig zur Langeweile wurde? Ich mach das nicht an diesem speziellen Blog fest, sondern beobachte das schwindende Interesse schon über Monate hinweg... egal wer einen Blog verfasst, die Zugriffszahlen sowie die Kommentare tendieren immer mehr gegen Gering... Leute, egal wer bloggt, sei es Dragon, Psychokitty, meinereiner oder sonstwer - wir leben von eurem Feedback! Wir beten euch nix vor, wir suggerieren euch was wir denken in unserem verqueren Verstand! Ihr müsst das nicht ungefragt hinnehmen, ihr sollt auch Scheiße auf uns regnen lassen, wenns euch nicht passt, was wir da so versemmeln. Nur so funzt Evolution! Fehlendes Feedback ist Stillstand, und Stillstand ist Rückschritt! Und wenn ich meiner Freundin von hinterrücks in den Schritt fasse, findet die das womöglich auch noch geil... Also! Lasst mal euren Dampf ab!
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Jau, bei den Blog-Kommis herrscht momentan echt wat Stillstand, wenn euch nichts einfällt, lasst eben den selben Dünnpfiff ab wie wir, is ja hier schliesslich ein Unterhaltungsforum! Cool 
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Was soll ich sagen? Wieder ein feines Zotengewitter, ich bin allerdings nicht so heimatverbunden, soooo sehr hängt mein Herz nicht an Wiesbaden.

Klar gefallen mir eure Blogs, ich bin nur leider nicht so sprüchegewand wie ihr zwei. Smile 
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